Eine west-östliche Meditation über Sprache und Sprachlosigkeit

Donnerstag, 22. Juli 2010 um 18:00 Uhr, Hegelsaal, Philosophisches Seminar

Im Sanskrit gibt es den Begriff des sunyata, zu dem wir in der deutschen Sprache keine Entsprechung haben. Das liegt daran, dass sunyata einen Erfahrungshorizont beschreibt, welcher uns bislang nicht zugänglich war. Das ist heute anders. Nachdem eine östliche Betrachtungsweise dabei ist, in einen westlichen Mainstream einzugehen, beginnt sich auch für uns die Erfahrung des sunyata zu erschließen. Dieses meint nun eine Leere, die gleichzeitig als Fülle erfahren wird. Zwei Begriffe sind das, die in der deutschen Sprache einander ausschließen. Meinen wir doch mit Leere die Abwesenheit von etwas, von all dem, was die Fülle der Welt ausmacht. So klingt in der Leere die Idee eines Nihilismus an. Wollten wir das sunyata in der deutschen Sprache einfangen, so müssten wir eine Wortneuschöpfung prägen, indem wir, zum Beispiel, von einer Leere-Fülle, einer Leefü, sprechen. Der Vortrag will einen Geschmack von der Leefü vermitteln. Wir bedienen uns einer denkenden Beobachtung, in der sich Fühlen und Denken zusammenschließen. Die chinesische Malerei wird dabei eine Hilfe sein. Ansetzen wollen wir bei dem Zustand des Kleinkindes, das noch keine Sprache hat. Alsdann betrachten wir die Geburt der Sprache. Danach geht es weiter. Es soll genügend Zeit zum Austausch bleiben.

Martin Erdmann war 26 Jahre als Dozent am Seminars für Übersetzen und Dolmetschen der Universität Heidelberg tätig. Mit der Anthroposophie Rudolf Steiners verbunden, hat er eine Ausbildung zum Waldorflehrer absolviert. Seit 40 Jahren bewegt er sich durch eine spirituelle Szene, wobei er sich mit zahlreichen östlichen Strömungen vertraut machte, die nun dabei sind, in einen westlichen Mainstream einzugehen. Als spiritueller Lehrer findet er sich an keine bestimmte Tradition gebunden. In drei Büchern suchte er zu zeigen, dass ein herkömmliches westliches Ichbewusstsein auf einer Illusion beruht. Schwindet die Illusion des Ichs dahin, so Martin Erdmann, tut sich die Erfahrung der Leefü auf. Weitere Info gibt es auf www.satsa.de