Philosophie und Fußball

Mittwoch, 9. Juni 2010 um 18:00 Uhr, Hegelsaal, Philosophisches Seminar

Warum die Holländer den modernsten Fußball spielen, die Engländer im Grunde immer noch Rugby, und die Deutschen den Libero erfinden mussten.

von Prof. Martin Gessmann, Philosophisches Seminar Heidelberg

Wenn von Philosophie und Fußball die Rede ist, wird Fußball meistens mit religiösen Ritualen vergleichen, sei es bei der Rollenverteilung im Spiel (der Torwart als Tempelhüter bei Sloterdijk), bei der Inspiration (vgl. zuletzt O.G. Becker: Voodoo im Strafraum. Fußball und Magie in Afrika, München 2010), oder bei der enthusiastischen Rezeption (vgl. H.U. Gumbrecht, Lob des Sports, Ffm 2005). Philosophisch spannend könnte aber auch der Versuch sein, erst einmal beim Spiel selbst zu bleiben und in der jeweiligen Spielanlage gewisse Grundtypen an Organisations- und 'Argumentations'-Mustern wiederzuentdecken (ohne freilich eine idealtypische Zuordnung zu Nationen zu strikt oder zu ernst zunehmen). Vielleicht wird man im Umkehrschluß auch die Geschichte der Moderne leichter verstehen, wenn man erst einmal einsieht, warum die Holländer den modernsten Fußball spielen, die Engländer im Grunde immer noch Rugby, und die Deutschen den Libero erfinden mussten.



Prof. Martin Gessmann ist seit Juni 2010 Univ.-Prof. an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. Phänomenologie und Neurowissenschaften, Technikphilosophie, Filmtheorie.



Im Programm von delta hatte Herr Gessmann bereits im Wintersemester 2009/10 einen Vortrag mit dem Thema "Glück im Film" gehalten.