Das große, nie vollendete Gedicht des gesamten Menschengeschlechts

Donnerstag, 17. Juni 2010 um 18:15 Uhr, Philosophisches Seminar, Hegelsaal

PD. Dr. Jochen Bär, Germanistisches Seminar Heidelberg

Sprache ist einer der wichtigsten Gegenstände der romantischen Theoriebildung. Insbesondere die philosophische Frühromantik hat sich mit der Bedeutung der Sprache für die menschliche Existenz intensiv auseinandergesetzt. Dabei geht es immer wieder um zwei zentrale Punkte: die Bedeutung der Sprache für den Erkenntnisprozess und die Bedeutung der Sprache für die menschliche Interaktion. Sprache wird von den deutschen Frühromantikern – den Brüdern Schlegel, Novalis, Tieck und anderen – vor allem als Dichtung (in einem sehr weiten Sinne) interpretiert. Der Vortrag stellt das frühromantische Sprachdenken in Grundzügen vor und spart auch die ersten Ansätze von philosophischer Sprachskepsis nicht aus, die im weiteren Verlauf des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts bei Autoren wie Kierkegaard, Nietzsche, Hofmannsthal oder Hugo Ball zu tiefgreifenden Zweifeln an der Leistungsfähigkeit der menschlichen Sprache führen.

Priv.-Doz. Dr. phil. Jochen A. Bär studierte die Fächer Germanistik und Philosophie in Heidelberg. Nach dem Magisterexamen war er fünf Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heidel berger Germanistischen Seminar beschäftigt. 1998 wurde er mit einer Arbeit über die Sprachreflexion der deutschen Frühromantik promoviert und wechselte zur Gesellschaft für deutsche Sprache nach Wiesbaden. Er leitete dort die Dokumentation zur deutschen Gegenwartssprache und den Sprachberatungsdienst. 2001 kehrte er nach Heidelberg ans Germanistische Seminar zurück. 2008 habilitierte er sich mit einer Arbeit zum Zusammenwirken von Grammatik und Semantik. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Semantik, Lexikologie und Lexikographie des Deutschen, Gram matik des Deutschen (insbes. Wortbildung und Syntax), Sprachgeschichte des Deutschen (insbes. vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart), Sprachtheorie in Geschichte und Ge­genwart, Sprachkritik in Geschichte und Gegenwart, Wissenschafts geschichte der Germanistik und Literaturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts (insbes. deutsche Romantik).